Kinder- und Jugendtheater Metzenthin: Zwei Nichten führen das Werk von Rosmarie Metzenthin weiter
PortraitKurseAnmeldungEventsSeminarKontakt

Zwei Nichten führen das Werk von Rosmarie Metzenthin weiter

(Tages-Anzeiger, 25. Februar 2010)

 Zollikon/Zürich - Zu wissen, dass ihr Werk in guten Händen ist, hat der Tante geholfen, das Lebenswerk loszulassen. Davon ist Sibyll Metzenthin überzeugt. Seit 1999 führt sie das Kinder- und Jugendtheater Metzenthin zusammen mit Corinne Roos. Rund 700 Kinder und Jugendliche zwischen 3 und 18 Jahren nutzen das vielfältige Kursangebot der Schule - darunter viele Schülerinnen und Schüler, deren Eltern bereits die Metzenthin-Schule besucht haben. Die beiden Zolliker Theatermacherinnen sind in die grossen Fussstapfen ihrer berühmten Tante getreten - mit Erfolg.

«Den Ideen von Theater-Gründerin Rosmarie Metzenthin sind wir treu geblieben», sagt Sibyll Metzenthin (37). Zusammen mit ihrer Cousine Roos (46) hat sie 2003 das Kinder- und Jugendtheater von ihrer heute 83-jährigen Tante auch gekauft. «Das war uns wichtig», sagt Roos. Es sei gerade auch gegenüber der ganzen Familie entscheidend gewesen, klare Verhältnisse zu schaffen. Nur so konnten die beiden die nötige Strukturbereinigung und Neuorganisation unabhängig durchführen. So wurden etwa die Administration neu organisiert und die Finanzen geregelt.

Die Schule an der Freiestrasse 58 in Zürich stösst mittlerweile an ihre Kapazitätsgrenzen. Der Unterricht in Artistik, Tanz und Theater ist gut besucht. «Wir setzen auch heute noch auf eine ganzheitliche Ausbildung», sagt Roos. «Aber natürlich passen wir die Charaktere in den Märchen der heutigen Zeit an. So tritt etwa eine Prinzessin durchaus auch einmal auf einem Curling-Rink auf und nicht nur immer im Schlosspark.» Der Realitätsbezug und die zeitgemässe Moderne förderten die Spielfreude, glaubt Sibyll Metzenthin. «Entscheidend ist aber bei allem, dass das Kind immer im Vordergrund steht.»

Das Kinder- und Jugendtheater ist eine private Institution, welche sich ausschliesslich aus den Beiträgen der Eltern finanziert. Vor allem Kinder aus der Stadt und den umliegenden Gemeinden an der Goldküste besuchen den Unterricht. «Wir haben aber nicht nur Kinder aus wohlhabenden Familien bei uns», betont Sibyll Metzenthin. Wenn Eltern aus weniger privilegierten Familien nicht für die Kurskosten ihrer Kinder aufkommen könnten, dann finde man meistens eine andere Lösung. «Wir haben einen speziellen Fonds für solche Fälle. Das ist unsere Art der Kultursubvention», sagt Corinne Roos.

Das Kinder- und Jugendtheater Metzenthin als musisch-pädagogische Institution nimmt im Zürcher Kulturleben einen festen Platz ein. Die jährlichen Märchenspiele in der Aula der Kantonsschule Rämibühl, aber auch Zirkusvorstellungen und Theateraufführungen haben eine lange Tradition.

Die beiden Theaterleiterinnen sind eng miteinander verbunden - nicht nur familiär. Beide sind sie ausgebildete Sportlehrerinnen und haben schon als Kinder aktiv im Theater mitgespielt. Später durften auch sie einzelne Projekte selber betreuen. «Rosmarie Metzenthin hat uns mit verschiedenen Aufgaben betraut, wie sie es auch mit anderen Schülern gemacht hat», sagt Corinne Roos. Sie seien so fliessend auf die Rolle der Theaterleiterinnen vorbereitet worden. Seit 1990 hat Sibyll Metzenthin als Regieassistentin und Choreografin mitgewirkt, seit 1994 unterrichtet sie Akrobatik und Zirkus für die 6- bis 18-Jährigen. «Die Theaterprojekte, die wir gemeinsam betreuen durften, haben uns auch menschlich näher zusammengeführt», sagt sie.

Die Aufgaben zwischen den beiden genau abzugrenzen, sei gar nicht so einfach, sagen die Theaterfrauen unisono und lachen. «Das Ganze ist ein Prozess, es entwickelt sich einfach», sagt Roos. Sie betreut die Website und die Werbung. «Wenn man überhaupt von Werbung reden kann», meinen sie. Eigentlich müssten sie, abgesehen von ein paar Theaterinseraten, gar nicht gross Reklame machen. «Wir leben von der Mund-Propaganda.» Sibyll Metzenthin kümmert sich derweil um die personellen Angelegenheiten. Hunderte von Kindern schnuppern bei Sibyll Metzenthin und Corinne Roos Theaterluft.

Von Markus Lumpert

(zurück)