Kinder- und Jugendtheater Metzenthin: Trotz über achtzig Mitwirkenden keine Statisten
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Trotz über achtzig Mitwirkenden keine Statisten

(NZZ, 9. Dezember 2005)


cwe. Zum Glück dauert es jeweils eine geraume Weile, bis die Bühne zu einem weiteren farbenprächtigen Bild umgebaut ist. So kann das Publikum, das sich nur bedingt an die bei Erwachsenen verbreitete Konvention des Flüsterns hält, über die Geschichte von der «Chinesischen Nachtigall» in der Aufführung des Kinder- und Jugendtheaters Metzenthin fortlaufend mutmassen und urteilen. Gemeinheiten werden angeprangert («So fies!»), wichtige Passagen mit einem Echo aus dem Dunkeln bekräftigt und raffinierte Kostümierungen gnadenlos durchschaut (die Frösche, Libellen und Grillen haben keine Chance: «Das sind ja nur Menschen!»).
Andersens Märchen vom chinesischen Kaiser, der beim Gesang der unscheinbaren Nachtigall Glückstränen vergiesst, sich dann aber von einem aufziehbaren künstlichen Vogel bestricken lässt und schliesslich bekehrt wird, bringt selbst die jüngsten Zuschauer nie in Verlegenheit, wem sie ihre Sympathie schenken sollen. Als die Nachtigall in einen goldenen Käfig gesperrt wird, geht denn bei der Premiere am Samstag auch ein Aufjaulen durch die Reihen in der Aula Rämibühl. Doch weil die Bühnenumsetzung selten dick aufträgt, ist die Schwarzweissmalerei gemildert. Der Kunstvogel erhält zum Beispiel eine Melodie, die erst beim zehnten Mal so richtig auf die Nerven geht. Auch wirkt das Spiel der jungen Darsteller fast nie überdreht und trifft den Ton besonders bei den trockenen Sprüchen, die das Märchen auflockern. Als der bekehrte Kaiser den mechanischen Vogel mit pathetischer Geste zertrümmern will, bremst ihn die Nachtigall: «Er hat sein Bestes gegeben.» Das Beste ist aber, dass im Verlauf der zweistündigen Vorstellung über achtzig Kinder auf der Bühne spielen, tanzen oder akrobatische Einlagen bieten und dabei keines je aussieht, als wäre es ein Statist.

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