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Miro und die Prinzessinnen

(NZZ, 15. Dezember 2008)

Das Kindertheater Metzenthin mit dem Märchenspiel „Die zertanzten Schuhe“

Prinzessin Mirabella hat es nicht leicht. Nacht für Nacht, genau um Mitternacht, muss sie mit ihren elf Schwestern auf die Reise ins unterirdische Schloss. Dort verbringen die Schwestern mit elf verwunschenen Prinzen eine rauschende Ballnacht. Mirabella sitzt unterdessen am Rand des Geschehens, spielt mit den wachenden Zwergen und vertreibt sich die Zeit mit Malen. Kein Wunder, ist sie über das Treiben der Schwestern nicht so glücklich. Denn abgesehen davon, dass auch der schönste Ball ohne Prinz keine rechte Freude macht, sind ihr die nächtlichen Ausflüge ins unterirdische Reich sowieso nicht ganz geheuer. Auch die Schuhmachergesellen auf dem Schloss sind nicht zu beneiden. Denn sie müssen jeden Morgen die Schuhe der jungen Damen flicken, die, vom Tanzen zerlöchert, vor der Tür liegen. Und König Quintus ist ziemlich verzweifelt. Schon neunundneunzig Prinzen haben sich vergeblich am Rätsel der zertanzten Schuhe versucht. Der letzte ist gerade vom Schloss gejagt worden, begleitet vom beissenden Spott der Prinzessinnen, die froh sind, dass ihr Geheimnis einmal mehr unentdeckt geblieben ist.

Als Hundertster will sich Miro, ein armer junger Wanderbursche, der Sache annehmen. Denn erstens sind ihm Abenteuer willkommen, und zweitens winken für die Lösung des Rätsels die Hand einer Prinzessin und das halbe Königreich. Natürlich lässt sich ein so grosses Geheimnis nicht ohne Hilfe lösen. Weil Miro aber seinerseits hilfsbereit ist, kann er auf die Unterstützung und die guten Ratschläge anderer zählen. „Die zertanzten Schuhe“ der Brüder Grimm, die diesjährige Produktion des Zürcher Kinder- und Jugendtheaters Metzenthin, ist ein klassisches Märchen mit schönen Prinzessinnen, galanten Prinzen, einem gütigen König, einem klugen Narren, listigen Zwergen, einem sonderbaren alten Weiblein, edlen Reitern, verschlafenen Palastwächtern und allem, was sonst noch dazugehört. Die rund 160 fünf- bis vierzehnjährigen Kinder, die die Geschichte in zwei Gruppen spielen, sind engagiert, sicher und mit sichtlicher Freude bei der Sache. In der Aula Rämibühl in Zürich zeichnen sie unter der Regie von Sibyll Metzenthin den Weg bis zur Lösung des Rätsels phantasievoll und in witzigen Dialogen nach. Die wie gewohnt sorgfältig gestalteten Dekorationen, die stimmungsvollen Bühnenbilder und die Akrobatik- und Tanzeinlagen tragen das Ihre zum Gelingen bei. Und es gibt immer wieder etwas zu lachen. So, wie es sein soll.

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