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Hundertsiebzig Zwerge

(NZZ, 18. Dezember 2004)
«Schneewittchen» vom Kinder- und Jugendtheater Metzenthin im Rämibühl

Für die 170 Knirpse und Jugendlichen, die jahrein, jahraus am Kindertheater Metzenthin Rhythmik, Theater, Tanz, Akrobatik und Artistik üben, ist die Abschlussaufführung zur Weihnachtszeit zweifellos der Höhepunkt ihrer Arbeit. Nach dem eher komplexen Märchen von dem «Goldschmied Hasan und den Prinzessinnen der Insel Wak-Wak» im letzten Jahr wird diesmal in der Aula der Kantonsschule Rämibühl der Grimm-Klassiker «Schneewittchen» gegeben. Jedes Kind kennt diese Geschichte, was freie Einlagen erlaubt, ohne das Verständnis zu trüben. Die Regie von Sibyll Metzenthin und Sara Dorigo hat Intermezzi geschaffen, in denen die Darstellerinnen und Darsteller im Alter zwischen drei und zwanzig Jahren ihre erstaunlichen Fähigkeiten präsentieren. Eine akrobatische Einlage findet etwa im Schloss zur Begrüssung der neuen Königin statt, eine tänzerische im Wald, wo das verstossene Schneewittchen von Geistern verängstigt und von wilden Tieren getröstet wird (Choreografie Corinne Roos, Isabell Zwick). Liebling des Publikums ist zweifellos der Hofnarr Goldspiegel, der mit charmanten Spässen und frechen Sprüchen der bösen Königin auf der Nase herumtanzt. Süss sind die sieben Zwerglein hinter den sieben Berglein, die ihren unerwarteten Besuch sogleich ins Herz schliessen und tatkräftig mithelfen, dass Schneewittchen schliesslich von einem Prinzen erlöst werden kann. Die Produktion, die nicht zuletzt vom raffinierten Bühnenbild (Ursula Frick-Koch, Sarah Merten) und von liebevoll gestalteten Kostümen (Renate Good, Ella Riklin, Anita Perez) lebt, wird von zwei Gruppen à je 80 Kinder in einer längeren und einer kürzeren Fassung gespielt. Die gekürzte Vorstellung ist bei aller Kurzweil mit gut zwei Stunden allerdings gerade lang genug.

Urs Steiner

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